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Das Medienmagazin „Zapp“ im NDR ist mit Abstand das Beste im deutschsprachigen Raum. Woche für Woche führt es uns eindrucksvoll den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Medienberichterstattung und Medienanalyse vor Augen. Und schont dabei niemanden. Auch nicht den eigenen Sender. Ein Maß an Selbstkritik, das undenkbar wäre in Österreich. Warum eigentlich?

Wir JournalistInnen betrachten uns ja gerne in unserem Selbstverständnis als die 4. Säule der Demokratie. Als diejenigen, die – pathetisch ausgedrückt – „den Mächtigen auf die Finger klopfen“. Aber viel zu oft wird aus dem Klopfen ein sachtes Tätscheln, ein fast schon zärtliches Berühren. Wer kontrolliert in diesem Fall die KontrolleurInnen? Das wäre Aufgabe des Medienjournalismus. Doch dieser wird hierzulande oftmals verunmöglicht.

Denn die Werbeeinbrüche, der Auflagendruck, der Streit um Inserate, die schwindenden Quoten – kurz die vielzitierte Krise im Journalismus haben manche Protagonisten der heimischen Publizistik in Akteure eines bizarren Lagerkampfes verwandelt. VÖP und VÖZ gegen den ORF, Mediaprint gegen Österreich, Österreich gegen den News Verlag, Heute gegen den Styria Verlag und so weiter und so fort. Die heimische Medienberichterstattung liest sich mitunter wie die nicht sehr originellen Plots von Soap Operas.

Jetzt ist ein manichäisches Weltbild an sich eine ungesunde Sache. Hat uns die Geschichte zumindest gelehrt. Die fein säuberliche Trennung zwischen Gut und Böse, die Dämonisierung des Anderen, Fremden, Außenstehenden eignet sich höchstens für Diktatoren und Staatsmänner mit eher zweifelhaftem Verhältnis zur Demokratie. Either you are with us or you are with the terrorists. Eine Horrorideologie für aufgeklärte JournalistInnen. Würde man meinen. Trotzdem wird auf Kritik von außen von VerlegerInnen, ChefredakteurInnen und JournalistInnen meist reflexartig mit Gegenangriffen reagiert, die an oben zitierte Kriegsrhetorik erinnern. Selbst wenn die Kritikpunkte sachlich vorgebracht werden und durchaus berechtigt scheinen.

Die Heimat des Ideologen ist sein Nistplatz. Wer ihn kritisiert, wird zum Nestbeschmutzer. So steht es in einem Buch über Elfriede Jelinek geschrieben, das sich mit der Unfähigkeit zur Selbstkritik des gelernten Österreichers auseinandersetzt. Und die findet sich leider allzu häufig auch in der kleinen heimischen Medienwelt wieder. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Dabei bleibt das wertvollste Gut des Journalismus langsam aber sicher auf der Strecke: die Glaubwürdigkeit.

Da berichten wir von Inseratenaffären und zweifelhaften Wahlkampfbroschüren, sprechen aber nicht darüber, wer in welcher Häufigkeit unser Medium mit Werbeeinschaltungen finanziert. Da diskutieren wir gerne in gediegenem Ambiente klug über die Zukunft des Journalismus. Fragen aus dem Publikum über die prekären Arbeitsbedingungen von NachwuchsjournalistInnen sind jedoch unerwünscht. Da durchforsten wir genüsslich die Doktorarbeiten von SpitzenpolitikerInnen und drängen auf deren Rücktritt, weil sich die Hälfte als abgeschrieben herausstellt. Wieviele unserer eigenen Print- und Onlineartikel jedoch aufgrund von Zeit- und Gelddruck oftmals nur noch aus Versatzstücken von Agenturmeldungen bestehen, legen wir lieber nicht offen.

Die Medienexpertin Daniela Kraus forderte in ihrem exzellenten Blog bereits vor einigen Wochen mehr Transparenz im heimischen Journalismus. Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, eine Initiative für ein Transparenzgesetz im Journalismus zu starten. Vielleicht würde es aber auch genügen, dem Lagerdenken abzuschwören und den eigenen kritischen Anspruch in beide Richtungen zu vertreten: nach außen und nach innen.

Sonst brauchen wir uns nicht mehr länger damit zu brüsten, den Mächtigen auf die Finger zu klopfen. Sondern können ihnen gleich die Hand reichen.

3 thoughts on “Warum „zappt“ es nicht bei uns?

  1. Österreich kann diese Zustände nicht für sich allein beanspruchen. Beim nordwestlichen Nachbarn gibt es Zapp. Und dann lange nichts.
    Bildblog für alle fühlt sich ja glücklicherweise auch für Österreich zuständig.

  2. Pingback: Wir brauchen Journalismusjournalismus. | der andere fellner

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