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Kommentar der Anderen, Der Standard, 12.12.2012 

Ein persönlicher Rückblick auf ein Jahr Protest der Freien ORF MitarbeiterInnen.

Deine Augen im Spiegel sind genauso frustriert als hättest Du Dich politisch engagiert. 

Ich arbeite gerne. Ich liebe meinen Job. Ich mag auch schöne Schuhe, Sachertorten und Seenlandschaften bei Sonnenuntergang. Aber wenn Sie mich richtig glücklich machen wollen, geben Sie mir ein Mikrofon in die eine Hand und ein Aufnahmegerät in die andere und lassen Sie mich meine Arbeit machen. Gespräche führen mit Menschen, die ihre Lebenssituation schildern und dadurch Einblick gewähren in ihre soziale Lage. In die Welt, die uns umgibt. Oder mit fachkundigen Experten, die ein gesellschaftspolitisches Phänomen so erklären, dass es verständlich, greifbar, fühlbar wird. Lassen Sie mich Interviews schneiden, das Wesentliche herausfiltern, Atmosphäre mit Hilfe von Musik oder Geräuschen erzeugen und am Ende das Ganze mit einem verbindenen Off-Text versehen. Kurz gesagt: lassen Sie mich Radio machen.

Es ist inzwischen zweieinhalb Jahre her, dass ich durch eine Verkettung von glücklichen Zufällen meinen Traumberuf gefunden habe. Nach einem Kommentar im Standard, den die richtigen Leute an der richtigen Stelle gelesen und für interessant befunden haben, wurde ich eingeladen, einen Radiobeitrag für Ö1 zu gestalten. Nach dem ersten Studiotermin war mir klar: ich war gekommen, um zu bleiben. Die Arbeit beim Radio vereint alles, was ich gerne mach: recherchieren, schreiben, kommunizieren, etwas erzählen, aufklären. Ö1 ist journalistisch betrachtet eine Ausnahmeerscheinung. Ein Arbeitsplatz, an dem es noch Diskussionen über Ethik und Moral gibt. An dem nicht primär die Quote zählt, sondern die gesellschaftliche Relevanz eines Themas und Journalismus mit Haltung im Vordergrund steht. Ein Paradies für Herzblut-Journalisten und Journalistinnen. Wenn – ja, wenn nur die Bezahlung nicht wäre.

Und ich dachte, das geht nicht. Und das geht auch nicht, das kann so nicht funktionieren. Man kann nicht immer wieder so tun, als gäbe es nichts zu verlieren. 

Irgendwann im ersten Jahr hab ich bemerkt: das geht sich nicht aus. Ich hab den Fehler selbstverständlich zuallererst bei mir gesucht. Vielleicht liegt es an der fehlenden Routine, dachte ich mir. Vielleicht war ich einfach zu langsam. Oder zu genau. Oder mein Anspruch war zu hoch. Aber es gab und gibt nun mal Qualitätsansprüche bei Ö1 und darunter zu produzieren geht nicht. Für niemanden. Sonst kommt der Beitrag nicht auf Sendung. Und man kann nicht 10 qualitativ hochwertige, ausrecherchierte Beiträge a 3 Interviews und 20 Stunden Literaturstudium Minimum pro Beitrag im Monat produzieren. Das müsste man aber, wenn man ca 3000 Euro brutto verdienen möchte. Man schafft höchstens 4. Und das auch nur, wenn man an Wochenenden arbeitet und in der Nacht. Da ist man dann am Monatsende bei 1200 Euro brutto. Und fertig. Erschöpft, ausgelaugt. Bereitet aber bereits die nächste Geschichte vor, liest sich ins übernächste Wissenschafts- oder Politthema ein. Oder steckt schon mitten in den Vorarbeiten für die kommende Sozialreportage.

In den Rauchpausen oder beim Kaffeeautomaten frühmorgens, am Wochenende oder während der Nächte im Funkhaus hab ich immer diesselben Gesichter gesehen. Freie MitarbeiterInnen wie ich. Großteils Frauen. Alle zwischen 30 und 45 Jahre alt. Müde, ausgelaugt, erschöpft, aber voller Begeisterung für die Geschichten, Features, Reportagen, an denen sie gerade arbeiteten. Irgendwann haben wir über Geld gesprochen. Über Lebensbedingungen, nein, eigentlich sollte es heißen: Überlebens-Bedingungen. Und sehr schnell hab ich realisiert: ich bin nicht allein. Niemandem geht es besser als mir. Egal, ob diejenigen bereits 10 Jahre Praxis als RadiomacherInnen vorzuweisen hatten oder erst vor ein paar Monaten dazu gestossen sind wie ich. Niemand hatte eine Perspektive auf eine abgesicherte Zukunft, auf Arbeitszeiten innerhalb der Norm, auf ein Leben nach dem Funkhaus. Und so haben wir beschlossen good old Friedrich Schiller wörtlich zu nehmen: Verbunden werden auch die Schwachen mächtig. Wir haben uns zusammen geschlossen und gekämpft. Für höhere Honorare, für bessere Arbeitsbedingungen, für eine Zukunft als QualitätsjournalistInnen, die einen Großteil des Public Values des öffentlich rechtlichen Rundfunks ORF produzieren. Wir haben uns getroffen und erstmal gestaunt wie viele wir eigentlich sind. Und dann beschlossen, eine öffentliche Protestaktion zu veranstalten. Eine Gruppe bestehend aus WissenschaftsjournalistInnen, FeuilletonistInnen und Feature-AutorInnen wollte den Aufstand proben.

Und das war gar nicht einfach. Denn die klassische Radiomacherin/ der Radiomacher entspricht nicht gerade dem, was man gemeinhin als „Rampensau“ bezeichnen würde. Es sind Menschen, die andere ausreden lassen, Argumente abwägen, Sätze mit „Verzeihung“ beginnen oder ihre Einwände gegen Ideen für öffentlichen Aktionismus mit „wir sollten vielleicht bedenken, dass“ einleiten. Kurz gesagt: es sind wirklich feine Menschen, die sich da zusammen taten und beschlossen, ihre Ängste und Bedenken und ihre Schüchternheit zu überwinden, um ein Zeichen zu setzen. Für sich und ihre KollegInnen bei Ö1, FM4 und den Kultursendungen bzw fremdsprachigen Programm im TV.

Bis du das realisiert hast, braucht es seine Zeit. Du hast keine Illusionen, es ist einfach nur soweit, daß du weißt, daß dir sonst keine Möglichkeit bleibt. 

Im Jänner 2012 stellte sich also eine Gruppe Freier ORF MitarbeiterInnen vor den Stiftungsrat des Unternehmens. Ausgestattet mit einem Teller voller Kuchenbrösel und Fähnchen, die fragten: Was bleibt für die Freien MitarbeiterInnen? Das ist nun beinahe ein Jahr her. Und nichts hat sich an ihrer Situation verändert. Denn was folgte, waren Sitzungen und Verhandlungen, die nicht als solche bezeichnet werden können. Derjenige, der etwas ändern könnte, hat uns 10 Monate nicht empfangen. Und diejenigen, die uns empfangen haben, konnten nichts ändern. Also haben wir weiter gemacht, mussten wir weitermachen. Wir haben offene Briefe geschrieben, Transparente beklebt, T-Shirts gedruckt. Alles neben der Arbeitszeit. Aus einer 80-Stunden Woche wurde eine 100-Stunden Woche. Jede freie Minute, die meine KollegInnen und ich nicht mit Recherche, Schnitt und Interviews verbrachten, nutzten wir zum Studium der Kollektivverträge, des Honorarkatalogs, der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wir trafen GewerkschafterInnen ebenso wie VertreterInnen der Arbeiterkammer. Ich weiß nicht mehr wieviel Kaffees allein ich mit Sendungsverantwortlichen, ProgrammmacherInnen und BuchhalterInnen getrunken habe, um mir detailliert anzuhören, warum man leider exakt nichts für uns tun könnte. Bei wievielen „Verhandlungsrunden“ ich bestens vorbereitet mit auswendig gelernten Zahlen, Daten, Fakten gesessen bin, nur um zu bemerken: hier bewegt sich nichts. Weil niemand will, dass sich etwas bewegt. Man hat uns – verzeihen Sie die gar nicht Ö1 kompatible Wortwahl – in großem Stil verarscht.

Jetzt liegt endlich ein Angebot der Geschäftsführung auf dem Tisch. Und es ist lächerlich. Es ist gar nichts. Es würde bedeuten, dass wir ca. 30-60 Euro brutto mehr im Monat verdienen würden. Bei gleichbleibend schlechten Konditionen: keine Sozialversicherung, kein bezahlter Krankenstand, kein Urlaub. Die Frauenförderung für das kommende Jahr wurde mir 1 Million Euro budgetiert. Aber für die Freien MitarbeiterInnen, die zu rund 85 Prozent weiblich sind, wurde ein Bruchteil dessen bereit gestellt. Der Stiftungsrat, der uns nicht empfängt, wird dieses Budget kommende Woche absegnen. Und wir können nichts dagegen tun.

Ich möchte einfach nur arbeiten, denn ich liebe diesen Job. Ich will nichts werden, ich habe keine Ambitionen auf irgendeine Position. Nichts würde mich unglücklicher machen als ein fantastisch bezahlter Verwaltungsposten, der bedeuten würde, dass ich weg wäre von den Menschen, von den direkten Gesprächen mit Betroffenen, vom journalistischen Tagesgeschäft. Da unterscheide ich mich nicht von meinen Mitstreitern und zahlreichen Mitstreiterinnen. Aber ich kann nicht mehr. Ich bin müde. Sehr müde. Ich kann die Floskeln und die leeren Versprechungen nicht mehr hören. Ebenso wenig wie die Vorwürfe der Verantwortlichen, die uns erst wahr- und ernst genommen haben durch die mediale Berichterstattung, wir würden das Unternehmen schädigen durch unseren öffentlichen Protest. Ich glaube, Sie werden nirgends hingebungsvollere und idealistischere ORF MitarbeiterInnen finden als unter den Freien Ö1- FM4- und TV-Kultur MitarbeiterInnen. Niemand von uns will den ORF schlecht machen. Aber es ist schwierig, ein Unternehmen zu loben, das einen nicht wertschätzt, obwohl man wertvolle Arbeit leistet. Auf Kosten der eigenen Gesundheit, des Privatlebens und der Existenz.

Ich hatte 2012 5 Tage Urlaub. Und damit meine ich 5 Tage am Stück, an denen ich nicht gearbeitet habe. Und die Wochenenden sind da schon mit eingerechnet. Ich liege damit im oberen Drittel meiner Freien Kolleginnen und Kollegen. Denn die meisten hatten gar keinen Urlaub. Seit Jahren nicht. Ich fordere keine Privilegien, keine Sonderzuschläge oder eine eigene Sekretärin. Alles, was ich möchte, ist für eine Summe zu arbeiten, die mein Überleben sichert. Und mir vielleicht hie und da ein paar schöne Schuhe, ein Stück Sachertorte oder einen Sonnenuntergang inmitten einer Seenlandschaft ermöglicht. Aber ich sehe im Augenblick keine Perspektive, dieses Anliegen jemals erfüllt zu bekommen. Und ich bin einfach zu müde, um noch ein weiteres Jahr dafür zu kämpfen.

(Zitate: Die Sterne: Swinging Safari)

56 thoughts on “Protestmüde

  1. Das ist einer jener Texte, an dessen Ende man eigentlich nicht weiß, was man dazu noch schreiben kann, aber das Bedürfnis hat, etwas dazu zu schreiben. An dessen Ende man sich nicht einfach nur der Persönlichkeit und Schönheit des Geschriebenen hingegeben hat sondern man vor allem von der darin enthaltenen Resignation selbst erfasst wird, an dem man „Danke“ sagen will für eure Beiträge, für euren Kampf, für eure Leidenschaft, mit der ihr uns die Welt jeden Tag ein Stück näher bringt, aber wo einem ein solches einfaches „Danke“ viel zu gering dafür erscheint. Gerade als leidenschaftlicher Ö1-Hörer, aber noch vielmehr als Bürger einer Mediokratie, in der jeder Farbtupfer Qualitätsjournalismus so wichtig ist, würde ich mir wünschen, dass dieser unwürdige Zustand ein positives Ende findet. Journalismus, und damit meine ich insbesondere Qualitätsjournalismus, muss uns als Individuen und vor allem als Gesellschaft wieder mehr WERT sein!

    • In Ermangelung eigener Worte schließe ich mich dem Gesagten von Andreas Lindinger einfach mal komplett an – als treuer Ö1-Hörer, der vom dradio abgesehen eine so hohe Qualität im Radio nirgends erlebt, eine kulturelle Vielfalt, Reportagen, die Hand und Fuß haben und nicht zuletzt die sieben Stunden Jazz am Wochenende, die die Nachtschicht versüßen.

  2. Es ist das alte, ewig üble Spiel: die System- & Strukturprofiteure, die Anstaltsbürokraten, die Etappenhengste, Bedenkenträger, Obermuftis, Zentralbetriebsräte, Karrieristen, Schaumschläger, Parteigünstlinge, die hochbezahlten, aber notorisch unproduktiven Schalter & Verwalter und ewigen Verhinderer von Kreativität: sie werden kurz mit der Achsel zucken. Und sich dann doch ein wenig Sorgen machen. Über ihre eigene Zukunft. In einem Unternehmen, das so keine Zukunft hat.

    • In dieser schönen Aufzälung fehlten noch die wohl schlimsten der Systemerhalter — die Schreibtischattentäter –. Jene, die null Verantwortung und gerne jede Menge Kohle für ein Tun übernehemen, dass in keiner Weise moralisch, menschlich und oft auch nicht betreibswirtschaftlich vertretbar ist.

      • Das sowas eine Sauerei ist, weil diskriminierend und gegen die Menschenrechte. Es scheint allerdings immer mehr Jobs zu geben, wo ledig weiblich und Totaleinsatz (manchmal auch männlich) ohne jedigliche private Verpflichtung gefordert ist. Das nimmt schon Ausmaße an, dass es zu einem sozialökonomischen Problem wird.

      • Das ist pures Patriarchat in seiner reinsten Form. Als ledige gut ausgebildete Frau mit vielen Qualifikationen wirst du ausgebeutet und sobald du Mutter geworden bist, kannst du die Leistung und den Einsatz, die dieser Job erfordert, gar nicht mehr unter diesen Rahmenbedingungen erbringen. Für Menschen mit Behinderung oder Ältere ist es gerade zu unmöglich unter diesen Bedingungen zu arbeiten und sich ein Einkommen zu erwirtschaften, egal ob männlich oder weiblich. Damit ist diese Arbeit patriarchal despotisch und diskriminierend und die Arbeitsbedingungen verstoßen gegen die Menschenrechte, so wie sie von der EU umzusetzen verlangt wurden.
        Ich würde Beschwerde in Brüssel einreichen, aufgrund der offensichtlichen Verletzung des österreichischen öffentlichen Rundfunks beim Einhalten der Menschenrechte für seine freien MitarbeiterInnnen.

  3. Scheint überall das gleiche zu sein: eine bestimmte Gruppe, die glaubt, es stehe ihr ein besonders großer Teil des Kuchens zu (für ihre besonders wichtige Arbeit natürlich) …

  4. Seid mühsam. Ärgert die Chefs, freundet euch mit den Assistenten und Sekretärinnen an, die können euch sagen wann und wo die sind. Filmt eure Aktionen mit. Es wird sich erst etwas ändern, wenn ihr den richtigen Leuten dauernd auf die Zehen steigt. Es muss mühsamer für die Leute sein euch zu ignorieren, als euren Forderungen nachzugeben.
    Viel Glück
    LG
    Sonstwer

  5. Pingback: Protestmüde | barbarakaufmann « Medien _ Politik _ Marketing

  6. Als ebenfalls freie Journalistin hatte ich das große Vergnügen, dich für ein Porträt im MedienManager kennenzulernen. Vor mir saß eine mutige Frau, die bereit war, weiter zu kämpfen. Die so offen gesprochen hat, wie noch selten jemand, den ich interviewt habe. Von der ich inzwischen so vielen meiner Freunden und Bekannten erzählt habe, weil es Menschen wie dich leider viel zu wenige gibt.
    Nun lese ich diese Zeilen und bin selbst frustriert. Ich verstehe deine Verzweiflung so gut. Man kämpft und kämpft, aber es scheint sich nichts zu ändern. Und ich frage mich: Was kann ich tun? Ich arbeite nicht bei Ö1, aber ich kenne die Situation als Freie nur zu gut. Allerdings erst seit 9 Monaten am eigenen Leib. Ich bin noch nicht (allzu sehr) frustriert. Ich muss auch nicht mit den „Oberen Zehn oder so“ in einem einzigen Unternehmen verhandeln. Ich habe verschiedene Auftraggeber, mit denen ich über meine Honorare verhandle. Dass ich mir von denen auch kaum schöne Schuhe, Sachertorte oder ein paar Tage Urlaub am Stück leisten kann, ist leider richtig. Noch frustriert es ich wie gesagt nicht allzu sehr. Vermutlich kommt das noch.
    Was ich mich frage, wenn ich deinen Eintrag hier lese: Was können wir tun, um Menschen wie uns nicht an andere, „dankbarere“, evtl. besser bezahlte Jobs zu verlieren? Die Medienbranche braucht Leute, die ihren Beruf nach höchsten Maßstäben und mit Leidenschaft ausüben. Schließen wir uns unternehmensübergreifend zusammen? Gehen wir (noch stärker) an die Öffentlichkeit? Menschen (auch Medienmenschen) neigen dazu, andere die Arbeit ganz vorne machen zu lassen und wohlwollend zu nicken. Davon schließe ich mich selbst (zumindest in dieser Sache) gar nicht aus. Aber ich möchte etwas tun. Punkt.
    Barbara, bitte gib nicht auf. Ich glaube, du hast mehr Unterstützung, als du denkst!
    Alles Liebe,
    Sabine

    • Wichtig – dieses Aufmuntern – sehr wichtig

      Was ich Euch als Aussenstehender – bin kein Journalist – aber seit 10 Jahren „Bürgerrechtler“, sagen kann, ist dass ihr total wichtig seid, wenn man sich diesen an sich – hohen Anspruch einer ECHTEN Demokratie – erkämpfen will. (die wir derzeit sicher nur mehr in Fragmenten haben..)
      Was ich aber als gelernter und ehemaliger Wirtschaftsmann aus der Industrie herausgefunden habe ist, dass wir alle mit ca. 30 bis 50 % Geldentwertung die nächsten
      5 bis 7 Jahre zu rechnen haben.. Dies ergibt natürlich enormen Kaufkraftverlust aber wenn man es vorher weiß kann man gezielt gegensteuern, indem man in rechtzeitig (JETZT) in Edelmetalle investiert, und wenn es nur geringe Beträge sind..
      Diese Edelmaetalle (Gold und Silber – am Besten Wiener Philharmoniker als Gold oder für Leute mit weniger Geld – Silbermünzen – steigen mit der Inflation mit bzw. übertreffen sogar die Inflationsrate,im Wertzuwachs seit Jahren kontinuierlich, da sie im Gegensatz zu Papiergeld, das beliebig vermehrbar ist, total begrenzt vorhanden sind, und sich immer mehr Reiche darauf stürzen, weil sie merken dass Papiergeld jeder Währung – insbesonders des Euro – immer weniger echten WErt besitzt.

      Das die EU-Zentralbank – genauso wie die US-FED STÄNDIG MEHR UND MEHR PAPIERGELD druckt hat ist Fakt.
      So betrug die gesamte Geldmenge in der EU 2002: 2,5 Billionen Euro, im Jahr 2011
      bereits 9,2 Billionen…. Das sagt alles – So ENTEIGNET MAN ÜBER JAHRE SCHLEICHEND DIE BÜRGER !

      Journalisten können mal ruhig versuchen, ein Massenmedium wie den ORF dazu zu bekommen, eine Sendung zum Thema „Geld-Menge“ zu machen, das hat es nie gegeben und wird es niemals geben……….. Die wissen ganz genau warum !!

      Man sollte RECHTZEITIG, HERAUS aus dem Hamstertrad um nicht unterzugehen darin.
      Dies noch zu Eurer geschätzten Info.
      Siehe auch in Internet-‚Spezialseite zum Thema Edelmetalle (der Autor hat seit Jahren exakt alles richtig vorhergesagt, verfolge seine ‚Webseite schon so lange
      http://www.hartgeld.com

      Bitte weitergeben – denn 50 % Kaufkraftverlust trifft jeden hart, wenn man sich nicht
      absichert !!

      Liebe Grüße
      W. Auerbach

      • Geld, egal ob Papier-, Kreditkarten-, Weich- oder Hart-Geld ist irrelevant, solange ein realwirtschaftlicher Gegenwert (Rohstoffe, Nahrung, Produkte und Dienstleistungen) damit eingetauscht werden kann und hinter der Währung eine reale Volkswirtschaft steht und mit du mit dem „Zahlungsmittel“ reale Waren und Dienstleistungen frei kaufen kannst. (keine Essensmarken) Nach dem 2. Weltkrieg konntest du 1 Perserteppich oder 2 Goldketten beim Bauern gegen 3 Eier tauschen, klaro?

  7. Fürchterlich, die Zustände wie du sie beschreibst. Habt ihr wirklich schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft? Treffen wir uns mal und bequatschen das. Auf eine Sachertorte lade ich dich sehr gerne ein🙂 Schreib mir ein Mail oder tweete mich an.

    lg
    Nattl

  8. Sehr geehrte Frau Kaufmann

    Lassen Sie sich nicht entmutigen. Das Euch der ORF so behandelt ist SICHER kein Zufall.
    Man will Herzblutmenschen bzw Journalisten wegbekommen, ferner treibt man Euch gezielt ins Hamsterrad damit ihr am besten den Überblick über diese Zeit verlieren mögt..

    Ich habe selbst gegen die Pharmariesen gekämpft, die Gentechnik flächendeckend in Österreich als Vorstand und GF des grössten heimischen Lebensmittelindustrieunternehmens verboten (das gründe „gen-frei“ Kästchen auf Millionen Packungen) erneuerbare Energieträger durchgesetzt, und zuletzt eine Bürgerbewegung gegen Überwachung und EU-Lissabon-Vertrag gegründet.
    Daher kenne ich die Repressalien nur zu gut.-
    Hatte auch Burn-out, machte Pause – ganz wichtig – und weiter gehts, denn dieses System will uns gezielt auf griechische bzw. US-Verhältnisse hintrimmen.
    In Griechenland bekommen Zuckerkranke nur mehr gegen Bargeld ihr lebenswichtiges Insulin.
    Schöne neue Welt. Hat die EU-Troijika und der IWF dort eingeführt…

    Lasst Euch nicht entmutigen. Schließt Euch zusammen und vor allem viel Phanstasie und Kreativität ist gefragt. Vor allem muss man die neuralgische „Archillesverse“ des Gegenüber erwischen, sonst läuft man Gefahr das man in endlosen Aktionismus ergebnislos und ausgelaugt
    – aber erfolglos übrigbleibt.

    So schön, dass Ihr Friedrich Schiller zitiert. Ist mein absoluter Favorit – Er war totaler Freiheitskämpfer. totales Herzblut als Mensch.

    Mein Lieblingsgedicht lautet:
    Festen Mut in schweren Leiden
    Hilfe wo die Unschuld weint
    Ewigkeit geschworenen Eiden
    Wahrheit gegen Freund und Feind
    Menschenstolz vor Königsthronen
    Brüder gelt es Gut und Blut
    Untergang der Lügenbrut

    Alles alles Liebe und Gute
    Journalismus in Qualität ist eine absolute Säule der Demokratie. Daher seid ihr total „essentiell“

    W. Auerbach
    P.S. Vorsicht – bin seit dem Gen-verbot als „Rechter“ manchmal zitiert, nächstes Mal werde ich
    wahrscheinlich „Pädophiler“..
    Ein Böser wer an Assange denkt…

  9. Erschreckend. Arbeitsleistung und -entgelt hängt nicht immer miteinander zusammen. An diesen Sachverhalt hat man sich gewöhnt, wenn man von „Managern“ spricht. In eure Falle scheint leider ein gegenteiliger Zusammenhang wie bei Managern zu bestehen. Viel Arbeit – aber wenig Entgelt. Über diese moderne Form der Ausbeutung von Menschen kann ich mich in meiner – gefühlten Ohnmacht – nur entrüstet zeigen?
    Sollte ich mehr tun können. lasst es mich bitte wissen!

    Lieben Gruß, aus dem Rhein-Neckar Raum.

  10. Guter Artikel – nur ist der ORF kein Unternehmen (mit unternehmerischem Risiko) sondern ein Staatsbetrieb der sich ungeniert am „freien Markt“ der Journalisten bedient während sich seine Bediensteten und Günstlinge genauso ungeniert an den Zwangsgebühren des Volkes bedienen
    (vgl. dazu die wiederholten Brechreiz verursachenden Postenschacher-Affären a la Pelinka die immer wieder in den Medien auftauchen).
    D.h. im Gegensatz zu richtigen Unternehmen im Wettbewerb ist es beim ORF nicht eine Frage des Könnens sondern des Wollens wenn es darum geht ob er die Spielregeln des Arbeitsmarktes einhält oder nicht. Und in der Position des marktbeherrschenden Platzhirschen ist es natürlich ein Leichtes den Daumen zu senken und auf Durchzug zu schalten.

    Trotzdem viel Erfolg und Mut beim weitern Kampf gegen Goliath!

    Martin

  11. Sie (der Sender) brauchen Sie und lassen Sie alle aber glauben, dem wäre nicht so.
    Nicht drauf reinfallen. Immer dran denken. Nicht aufgeben.
    Wer seinen Job so liebt- mit sovielen Fädchen aus sich hinter seinem Schaffen steht, der ist meistens ausserordentlich gut in seiner Arbeit. Dieser Wert ist in Zahlen oft nicht auszudrücken- sollte aber mittels dieser Zahlen mindestens langfristig in seiner Existenz gesichert sein.

    Müde sein ist, okay. Mal schlafen geht auch. Aber nach dem Aufstehen muss es weiter gehen.
    Ich drücke Ihnen die Daumen!

  12. Gelobt sei die soziale Tyrannai! Deine seelische Notlage, liebe Barbara, ist ein bedauerliches Produkt höriger Bürokraten, die einer Schwarmintellegenz folgen, die sich wiederum einem wirklichkeitsfremden Popanz unterordnen. In der Regel sind das „Chefs“, die einem Gütekriterium folgen, das an abenteuerliches Vorgehen erinnert und jeder der das verstehen will, wird sich früher oder später auf den verschlungenen Pfaden der Willkür wiederfinden.Und man selbst befindet sich auf dem Kriegspfad!

  13. auch leute mit Werkverträgen oder jene, die als Freier Dienstnehmer, gelten, haben auch solche prekären Bezahlungen. Vor allem frisst die Einkommenssteuer gerade wenn man so wenig verdient einfach zu viel weg.
    Da müsste es eben auch Mindestlöhne oder dergleichen geben.

    • Bitte vergesst so einen Blödsinn. wie: http://www.hartgeld.com/ , http://www.bullionaer.de/ und Gold und so weiter….
      Geld, egal ob Papier-, Kreditkarten-, Weich- oder Hart-Geld ist irrelevant, solange ein realwirtschaftlicher Gegenwert (Rohstoffe, Nahrung, Produkte und Dienstleistungen) damit eingetauscht werden kann und hinter der Währung eine reale Volkswirtschaft steht und mit du mit dem “Zahlungsmittel” reale Waren und Dienstleistungen frei kaufen kannst. (keine Essensmarken) Nach dem 2. Weltkrieg konntest du 1 Perserteppich oder 2 Goldketten beim Bauern gegen 3 Eier tauschen.
      Versteht das jeder hier? Sorry das ich so aufdringlich bin, aber lass dich entweder gut zahlen, aber fall bitte nicht auf Taschenspielertricks hinein.
      Realwirtschaft ist alles, Finanzkapital ist gar nichts! „König Midas“ kennt ihr, oder?

  14. Vielleicht wäre das Thema einen „Radio“- bzw. Podcast-Beitrag wert. Immerhin gäbe es genügend Herzblut-Kreativarbeiter, die mit dem Existenzminimum oder weniger über die Runden kommen müssen. Vor allem deshalb, weil sie kreativ sein wollen, weil ihr Herz und ihr Verstand sich nicht in ein Hamsterrad sperren lassen. Freilich, es gäbe noch viele Beispiele, die zeigen, dass wir es mit einem System zu tun haben, dass vor allem die Top 10 % extrem bevorzugt, während der Rest um die Brotkrumen raufen muss. Lange Geschichte.

    Beispielhaft sei hier die Webseite „Kann man davon leben“ erwähnt: http://slowbudget.wordpress.com/

  15. Zusammenrotten, kündigen, Verantwortung übernehmen und etwas Eigenes aufbauen. Erst wenn die Bremser erkennen, dass die nächste Generation auch prima ohne sie funktioniert, werden sie einlenken.

  16. liebe barbara,
    wer so wunderschöne texte schreiben kann wie du, hat keinen grund zu resignieren. nach einem jahr, wo man uns in der tat nur hingehalten und verarscht hat, müssen wir halt nun wirklich gemeinsam härtere formen des protestes beschliessen.
    ich bin dabei!
    lieben gruss
    heinz

  17. Pingback: Protestmüde | punish ment

  18. Danke für diesen ernüchternden und dennoch berührenden Text, das Offenlegen von so viel Leidenschaft und Resignation. Ich schließe mich nakazanije an: Das Anliegen der freien Journalisten muss (noch einmal) ganz groß werden! Und das so vieler anderer engagierter Medienschaffender auch. In der Branche braucht es so viel mehr Solidarität!

  19. Mein vollstes Verständnis für deine Situation. Daumen hoch und viel Glück und Widerstandsfähigkeit!
    an die Hartgeldtrolle: Habt ihr nicht einen Funken Gefühl im Leib?

  20. Werte Barbara!
    Journalisten sollten einen korrigierendenTeil in einer Gesellschaft, insbesonders einer Demokratie darstellen. Mein Vater, welcher seit Anfang der Sechzigerjahre (bis ´78) dort (in der späteren „K1-2“, zuerst im Funkhaus, später am Kü-berg) arbeitete, klärte mich bereits in Kindertagen sehr plastisch auf, daß das öffentlich rechtliche Medium ORF: 1. parteipolitisch gesteuert, 2. korrupt, und 3. einem infamen, ge(s)teuerten Verblödungsauftrag (statt Bildungsauftrag) nachkommt, welcher eigentlich nur für Diktaturen bezeichnend ist.
    Nun möchte ich Sie fragen,da ihnen die Hintergründe unseres „feinen“ ORF ebenfalls nicht unbekannt sein können: Wie lange wollen Sie da noch mitmachen???
    Ich persönlich sterbe liebe aufrecht, als mich kniend ausbeuten oder versklaven zu lassen.
    Es gibt noch andere Alternativen als den ORF!
    Klar, aller Anfang ist schwer, doch ich denke IHREN Anfang haben sie schon gemacht. Es kann nur noch besser werden. Auch wenn dies im Moment noch sehr schwer ist.
    Viel Kraft, Mut und: Bleiben sie kritisch wie Sie sind, denn: Gerade solche Menschen braucht Österreich dringendst!!

    Alles Gute,
    Klaus

    klauham@gmail.com

  21. Liebe Barbara,

    auch ich schreibe als Unfreiwillig „Freie“ für mehrere Medien und kann – leider – alles, was du schreibst, zu 100 Prozent unterschreiben… Da macht es leider keinen Unterschied ob es sich um eine Qualitätszeitung, eine Regionalzeitung oder eine Lifestyle-Zeitschrift handelt: Die Umstände in der gesamten Branche sind schlicht und ergreifend mies und untergraben das Sozialsystem, auf das Österreich so stolz ist, mit einer ungeheuren Dreistigkeit. Auch ich stoße mit meinem Protest regelmäßig auf taube Ohren und bekomme immer zu hören „Andere machen es für noch weniger Geld“. Die anfänglichen Kommentare der Verantwortlichen a la „Halte durch, xxx hat immerhin auch 12 Jahre auf eine Anstellung gewartet“ sind mittlerweile einem zynischen „Wir haben dir nie etwas versprochen und können es erst recht nicht jetzt tun, wo wir mit Inserate-Einbrüchen zu kämpfen haben“ gewichen. Fazit: Über zwei Jahre eine 6-Tage-Woche und ein monatliches Überleben mit manchmal mehr, manchmal weniger als 1000 Euro brutto.
    Der Journalismus schafft sich gerade selbst ab. Übrig bleiben nur die privilegierten Alt-Angestellten, die logischerweise nichts abgeben wollen, und jene Prekären, die sich über Jahre ausbeuten lassen. Durchhalte-Parolen bringen leider nichts, auch wenn sie nett gemeint sind. Was heißt schon durchhalten? Wieder einen Monat überleben? Das zehrt an der Substanz, bis einmal nichts mehr da sein wird.

    • Kann mich nur vollinhaltlich anschließen!! Ein Großteil der Qualitäts!medien in diesem Lande funktionieren nur noch, weil es uns Freie gibt [insofern gibt es auch kaum eine Alternative zum ORF — es sieht fast überall gleich mies aus!]: Da werden ganzseitige Artikel mit ein, zwei Hundertern abgespeist — natürlich immer VOR Steuern und ohne jeden Anspruch auf Weihnachts-, Urlaubs-, Krankengeld etc. –, Magazine verkaufen einmal bezahlte Geschichten wieder und wieder an andere Medien, ohne dass die AutorInnen einen weiteren Cent dafür sehen (das Problem dieser so genannten „Buy out“-Verträge wird in Deutschland heftig diskutiert – bisher ohne Erfolg; in Österreich wird es ignoriert.), selbst Leute, die einen fixen Arbeitsplatz in einer Redaktion haben, Visitenkarten des Unternehmens in der Tasche tragen und ausschießlich für diese Zeitung/Zeitschrift arbeiten, werden nicht angestellt…
      Selbst wer (sehr) gute Arbeit leistet, hat in diesem System keine Chance auf Verbesserung der Situation: Wer mehr Geld fordert, gar auf eine Anstellung hofft, wird angesichts „der wirtschaftlichen Situation der Medien“ ausgelacht oder abgespeist mit einem „Du musst ja nicht mitmachen“.
      Tja, wir haben alle ein Argumentationsproblem: Hinter jedem und jeder von uns scharren Dutzendschaften Jung-Dynamischer in den Startlöchern, die ihre Haut noch billiger verkaufen, sich mit Freuden mit noch mehr durchwachten Nächten und durcharbeiteten Wochenenden einbringen, die in der Hoffnung auf bessere Zeiten bereit sind – genau wie wir (es waren) -, sich selbst auszubeuten. Wer da nicht Tritt hält, z.B., weil sich die Familienverhältnisse ändern [oder weil er/sie demonstrativ die Arbeit niederlegt], ist dann schlicht und ergreifend — weg vom Fenster…
      Danke, freie Marktwirtschaft!

      Noch etwas fällt mir auf: Qualität herzustellen, scheint sowas wie (m)ein Privatvergnügen zu sein. Dass ich gut recherchiere, viel Zeit in den Aufbau und Fluss einer Geschichte stecke — schön (für mich und die Zeitung). Einen Bonus an Geld und Anerkennung gibt es dafür nicht (oder ist schon das der Bonus, dass ich auch in Zukunft beauftragt werde?). Im Gegenteil: Verwundert stelle ich fest, dass fast überall auch der Bruchteil an Aufwand durchgeht. Das bedeutet zwar, dass Artikel und Sendungen dann auch nur noch einen Bruchteil so gut, so informativ, so neu sind (was ich persönlich bei meiner Arbeit nie „durchgehen“ lassen wollte) — aber irgendwie scheint das sonst niemanden wirklich zu kümmern?!?? (Selbst bei Ö1 höre ich manchmal Sendungen, die früher wohl nicht durch Qualitätskontrollen gekommen wären. Was wirklich kein Vorwurf ist: Bei dem Einkommen geht es realistischerweise nicht anders).

      Wird sich GUTER Journalismus also bald selbst abgeschafft haben? Hm — wenn das System bleibt, wie es ist, geht es wahrscheinlich gar nicht anders.

      ps: Vielleicht könnte der ORF ja mal umschichten und etwas von den aberwitzigen Gagen süßer (Talkshow-)ModeratorInnen hin zu jenen verlagern, die tatsächlich INHALTE produzieren… ???

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  24. hab nur wenig einblick, aber wenn reden nix nützt, dann bleibt doch eh nur eine möglichkeit. ich schau mir das an, dass die den sender drei monate aus der dose füttern. also, glück auf!

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  27. Diese ganze Thematik beschränkt sich nicht nur auf Ö1 und den ORF, sondern betrifft die gesamte Sparte „Journalismus“ – das ist zumindest meine Erfahrung. Ich hab‘ bis vor Kurzem bei einem großen Verlag im Online-Bereich gearbeitet. Wie Sie musste ich zwischen 60 und 80 Wochenstunden leisten, hatte keinen Urlaubsanspruch, keinen bezahlten Krankenstand. Unterm Strich blieb mir zwar etwas mehr Geld als Ihnen, aber immer noch zu wenig, um nicht jeden Cent zwei Mal umdrehen zu müssen. Mich hat das natürlich geärgert, weil ich mich unterbezahlt gefühlt habe, um nicht zu sagen „ausgebeutet“.

    Was tut man eigentlich in so einer Situation? Nun, man haut auf den Tisch, fordert vom Arbeitgeber mehr Geld. Allerdings muss man sich in dieser Branche bewusst sein, dass man gar nicht so gut sein kann, um nicht ersetzbar zu sein. Was zählt, ist meiner Erfahrung nach nämlich nicht die Qualität der Arbeit, sondern das liebe Geld. Es wird immer jemanden geben, der es billiger macht als man selbst. Die Berufsbezeichnung „Journalist“ und die Aussicht auf eine mögliche Fixanstellung ziehen eben, und das ist das große Kapital der Medienhäuser. Damit lassen sich Löhne drücken und Mitarbeiter in Pauschalverträge zwängen, die sie eigentlich gar nie annehmen dürften. Vor einiger Zeit war ich selbst so naiv und bin wie der Esel der Karotte nachgelaufen.

    Was hab ich 2011 gemacht? Nun, ich hab den Job hingeschmissen und mich umoriertiert. Mir reicht’s. In drei Jahren bin ich mit meiner Ausbildung fertig – und dann sieht mich diese Branche niemals wieder. Ihnen wünsche ich viel, viel Kraft und den Mut, weiterzumachen. Damit Sie so viele Sonnenuntergänge bekommen, wie Sie verdienen.

  28. Pingback: Links der Woche – KW 50 | blog.sektionacht.at

  29. Liebe Barbara Kaufmann,
    auch ich liebe es, Ö1 zu hören. Ich wusste nicht, unter welchen Bedingungen die Kostbarkeiten entstehen, die mir die nicht mit „Arbeit“ verbrachten Stunden des Tages zur Freizeit machen. Vielleicht hätte ich es mir denken sollen, jedenfalls klingt die Rechnung logisch: ich kann für meine GIS wunderbares Radio hören, während das allermeiste Geld eigentlich anderswohin fließt. Danke für den Beitrag. Ich werde ab sofort aufhören, euch Radiokünstlerinnen um Euren Job zu beneiden (ich mag meinen ohnehin, es gibt übrigens eine Ähnlichkeit zumindest in der fein beschriebenen Überlastungssymptomatik) und einfach neidlos dankbar sein. Vielleicht aber auch solidarisch zornig. Können wir HörerInnen irgendetwas beitragen, dass Ihr alle mit Freuden ernten werdet, was Ihr mit Tränen sät? Petitionen schreiben? Im Nachtquartier (höflich) stören? Herzlich, Nada

  30. Pingback: prekariat oder pr: die luft wird dünn | querg'schrieben

  31. Warum also für einen Arbeitgeber arbeiten, der die getane Arbeit gering schätzt?!
    Der ORF ist in den gleichen Händen, wie (fast) jeder öffentlich – rechtliche Rundfunk überall. So ist es von größter Klarheit, jene emotional auszunehmen, welche ihr Herzblut hier einsetzen und ordentliche journalistische Arbeit abliefern.
    Diese Klarheit bringt auch Vorteile und lässt uns erkennen. Gerade durch das gezielte Auslaugen der Besten ihres Faches lässt sich das Seichte und vor allem die permanente Lüge hinausposaunen. Eigenes Radio machen, eigenes Fernsehen machen, solange die Eliten das Internet noch frei zugänglich lassen. Vielleicht auch ein Bausteinsystem aufbauen, welches durch sehr geringe monatliche Mitgliedsbeiträge ein Grundeinkommen für diese so unabdingbaren Journalistinnen und Journalisten sichert. Zusammenarbei ist das Credo.
    Wer kann sich also vorstellen, monatlich einen Zehner für diese Damen und Herren auszugeben, damit ein gutes Leben für sie möglich wird.
    loam@gmx.at

  32. Ueberall dasselbe Muster:

    Drinnen in der Organisation die Systemmenschen, die Verteiler des Lehens. Draussen die Lehensnehmer. Die, die fuer’s Butterbrot hackeln

    Bei den Medien. In der Forschung. You name it.

    Ich (Dr. techn. Dipl.Ing. Univ.Lekt…..) hab mich dem entzogen und aufgehoert.

  33. Es ist erschreckend, wie wenig sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert hat! Immer wieder kommen engagierte junge Kolleg(inn)en nach, die glauben, es mit Totaleinsatz – sprich: Selbstausbeutung – schaffen zu können. Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack.

  34. Pingback: … die Freien beim ORF | Texters Dank an …

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